Den Mund aufmachen.

Text von Rona Duwe

Was passiert, wenn eine Frau wie ich den Mund aufmacht und in scharfer und direkter Form strukturelle Probleme, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten des Patriarchats benennt? Es wird versucht, sie ruhigzustellen. Wie? Indem sie persönlich angegriffen wird und indem das, was sie benennt, als persönliches Problem hingestellt wird. Wie zum Beispiel?

„Dein Hass auf Väter/Männer ist ja furchtbar. Du musst schlimmes erlebt haben.“
„Was ist Ihnen geschehen, dass Sie so schreiben?“
„Du musst nur mal richtig gefickt werden.“
„Ihre armen Kinder!“
„Ich wünsche Ihnen von Herzen Seelenruhe und Liebe. Das scheint Ihnen zu fehlen.“
„Es tut mir leid, dass Sie so wütend sind.“

Tatsächlich sind strukturelle Probleme im Patriarchat sehr persönliche Probleme. Besonders für Mädchen, Frauen und Mütter. Sie bekommen diese so gut wie tagtäglich am eigenen Leib zu spüren. JEDE Frau erlebt Übergriffe. Frauen werden aber gleichzeitig so erzogen, dass sie sich schämen für diese Erfahrungen und sie oft mit sich allein ausmachen. Dadurch entsteht das Gefühl, es sei nur ein persönliches, selbstverschuldetes Problem. Erst seit #metoo ändert sich das.

Das Silencing und Derailing über „Es ist nur Dein persönliches Psycho-Problem, Darling“ folgt genau dieser Schiene, Frauen über ihre Scham anzugreifen. Es klingt erst nett, ist aber nicht nett und schon gar nicht klug. Es zeigt die Ignoranz gegenüber strukturellen und flächendeckenden Problemen. Und es löst kein einziges dieser Probleme. Es zielt darauf, alles so zu halten, wie es ist.

#patriarchatskritik

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Kritisch und humorlos.

Text von Steffanie Müller

Ich habe gerade Luisa Francias Blog gelesen (salamandra.de – dann zu Tagebuch, Beitrag vom 01.08.) und bin wieder einmal sehr einverstanden. Sie benennt, erkennt, beobachtet völlig unbestechlich und unabhängig und zieht logische Schlüsse. Wenn wir das tun, kommen unsere Mitmenschen immer wieder an den Punkt, uns als humorlos, zickig, überkritisch zu bezeichnen. Wir „dürfen“ bis zu einem bestimmten Punkt Kritik üben, aber wir sollen sie halt nur üben, nicht wirklich umsetzen. „Du kannst doch nicht alles Schlimme aufs Patriarchat zurückführen!“,  kommt dann der entsetzte Ruf. Doch, kann ich, kann jede, es ist gar nicht schwierig, es tut weh, natürlich tut es weh. Genau wie Luisa schreibt: Die Rettungsversuche sind nur Augenwischerei, da sie nicht an die Wurzeln gehen. Dass wir trotzdem lachen, gerne leben, sinnlich leben, großartige Erlebnisse haben, Ahnbindung erfahren, uns im Kosmos geborgen fühlen, entgeht denen, die gerne im Patriarchat und dem „Das war doch immer so“ – Irrtum verharren wollen.

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Und wir sind wirklich nicht die einzigen, auf die es ankommt.

Freiwillig.

Hier mal was zu den immer wiederkehrenden Argumenten der Freiwilligkeit und des „Ich tu das nur für mich“:

Wir dürfen nie vergessen, dass wir alle vom Patriarchat schwer beschädigt sind – seit es existiert, baut sich das auf – und einer mehr oder minder schweren Gehirnwäsche und deren mehr oder weniger gefährlichen Folgen unterliegen. Wenn ich behaupte, ich zupfe mir „nur für mich“ die Augenbrauen, ist das nicht weiter gefährlich. Richtig ist es allerdings auch nicht. Das tu ich, weil ich ein Schönheitsideal, das patriarchatsentsprungen ist, für meines halte. Es gibt keinen logischen Grund, warum Körperhaare ausgerissen werden sollten. Wenn ich ein Kopftuch trage, weil ich den Glauben an einen Gott akzeptiere, der böse wird, wenn Frauen ohne Kopftuch herumlaufen, trage ich es nicht freiwillig. Auch nicht, wenn mein soziales Umfeld mich ausgrenzt, wenn ich irgendeine Regel nicht befolge. Wenn ich am Badestrand nicht oben ohne liege, weil dickhosige Pseudobürgerwehrtypen patroullieren (wie jetzt in München an der Isar geschehen), ist keinerlei Freiwilligkeit da. Wenn ich meine, bei 50 shades of Grey oder der sogenannten Sexarbeit (die weder Sex noch Arbeit ist) ginge es um lustvolle Selbstbestimmung, sitze ich einem Irrtum auf: Die Lust an sexueller Gewalt ist genauso natürlich wie die von Frauen praktizierte Genitalverstümmelung an Mädchen. 

(Text von Steffanie Müller)

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Blick in die Gärten

Im „Unkraut“ ist diese ganze patriarchale Überheblichkeit enthalten, die sich auch noch bei vielen angeblich „umweltfreundlichen“ Menschen findet. Diese Überheblichkeit, die meint, das RECHT zu haben, zu bestimmen, was wächst, was vernichtet wird, was lebt und was stirbt – kein Miteinander und in Verbundenheit Leben sondern das sich untertan Machen. „Argumente“ dazu fangen gerne an mit „Ja, aber“, gehen weiter mit „das geht doch nicht“ und werden gerne ausgelebt mit lauten, stinkenden Maschinen.

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Dabei wächst alles so wie es soll. 

lieben lenkt vom leben ab

Ausruf von Sabine Kapfer

„Ich kann dieses ganze patriarchale Getönse zum Thema Liebe nicht mehr hören. Tatsache ist, auf Erden ist leben möglich. Es ist dies der einzige Planet im Universum, der Menschenleben möglich macht. Für mich als Mutterland-Frau gilt es wieder zu lernen, wie leben auf Erden lebt, dazu brauche ich keine Liebe sondern Verbundenheit. Auch brauche ich unter anderem wieder das Wissen der Lebenskreisläufe. Dieses Wissen wirkt sich auf mein Tun und Nicht-Tun im Alltag aus. Mutter Erde lehrt mich zu leben und das ist der Sinn auf dem Lebensplanet Erde. Auf dass die Erde noch lange ein Ort zum Leben bleibt!“

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Sprache

Sprache, die ganz große Falle

Sprache wie wir sie kennen und benutzen, hat sich im Patriarchat gebildet und geformt. Daher sind die bequemen und gängigen Formulierungen meistens aufs Patriarchat bezogen und tragen die männliche Form. Deshalb zu sagen, es sei „unbequem“, nun auch die weibliche Form zu verwenden, ist kein Argument. Genauso wäre es dem Patriarchat genehmer gewesen ohne Frauenwahlrecht und mit Weiterbestehen der Straffreiheit von Vergewaltigung in der Ehe. Es gab nicht die Möglichkeit, über Jahrtausende praktische und prägnante speziell weibliche oder auch nur gleichrangige Begriffe zu etablieren. Und nun, im mittlerweile 21. Jahrhundert, wird sich immer noch echauffiert, wenn eine Frau (Marlies Krämer hatte geklagt) verlangt, von ihrer Bank als Kundin und nicht als Kunde angesprochen zu werden und gerichtlich festgelegt, vom Bundesgerichtshof, die Bank mit der Formulierung Kunde sei im Recht . Es ist unfassbar. An dieser Stelle kommt oft das Argument, man solle sich doch nicht mit solchen Kinkerlitzchen befassen es gäbe viel schlimmere Dinge auf der Welt. Erstens ist das sich Befassen mit diesen Missständen kein Indikator dafür, dass dies die einzigen Aufreger sind, mit denen eine sich befasst, und weiter folgen aus diesen kleinen Dingen auch die großen. Wenn ich Frauen mit den ewigen männlichen Formulierungen die Sichtbarkeit noch mehr und weiterhin nehme, werden alle Belange von Frauen unsichtbarer. Neulich bekam ich wieder eine Infomail einer Gleichstellungsbeauftragten, in der die Fußnote stand, dass aus Lesbarkeitsgründen die weibliche Form in der männlichen enthalten sei. Das zeigt, wie angepasst und absurd diese ganze Gleichstellungssache ist (unter „Videos“ erklärt Sabine Kapfer das auch sehr gut). Die Negierung der Frau und vor allem der Mütter zieht sich durch das komplette Sprachbild. Teilweise wird Weiblichkeit versächlicht, wie bei „das Mädchen“, teilweise als Schimpfwort benutzt (angefangen bei „Oma“ oder „Tante“ – s. dazu den Artikel „Hag and Crone“ in der Rubrik „Texte“) bis hin zu „Fotze“, „Pussy“ usw. Diese Dinge richtig zu stellen, kann auch bedeuten, der Grammatik nicht mehr die überragende Stellung einzuräumen, die sie bisher hatte, und einen Satz, der mit „Das Mädchen“ begann,  mit dem Pronomen „sie“ weiterzuführen. Und es erfordert die Konsequenz und (sehr geringe, ich übe das seit langem so und kann mich nicht über große Anstrengung oder vergeudete Lebenszeit beklagen) Mühe, die weibliche Form zu benutzen – entweder mit oder ohne Binnen-i. Auch ist es an der Zeit, verniedlichende Formulierungen wie „Beziehungstat“, „misslungener Flirt“, „Übergriff“,, „Missbrauch“ durch klarere Worte zu ersetzen, Worte wie „Mord“, „Körperverletzung“, „Folter“, „Grausamkeit“, „Verbrechen“. In der gesamten Biologie gibt es auch viel Verbesserungsbedarf, alleine was den Begriff „Samen“ angeht – Spermien sind keine Samen, eher eine Art Pollen. 

Regelungen, die der Verbesserung dienen sollen, sind leider oft einfaches Verschlimmbessern, wie z.B. in den Stellenanzeigen, wo immerhin in den letzten Jahren manchmal „ein/e Techniker/in“ gesucht wurde, ist es nun wieder ein „Techniker (m/w/d)“, wobei das Bild im Kopf, das sich beim Lesen einstellt, eindeutig männlich ist. 

(Text von Steffanie Müller)

 

Aprilgedanken

Ich laboriere immer noch am Nachspiel einer Grippe herum und bin sehr melancholisch und niedergeschlagen. In solchen Zeiten fällt einer auf, wie sehr die Muttersippe fehlt.

Menschliche Gemeinschaften, in denen ich mich wirklich PASSEND fühle, sind rar. Es fehlt die Muttersippe. Und zwischen uns und dem Leben im Matrifokal liegen über 6.000 Jahre. Jahre des Abgeschnittenseins, der Entwurzelung, der Gewalt, der Gehirnwäsche, der Vereinzelung. Wir müssten das Leben in der Muttersippe erst wieder lernen.

(Text von Steffanie Müller)