Texte

Von Höhlen und Feen, Bären und Drachenschlangen

Text von Susan-Barbara Elbe

Oder was in den Pyrenäen von der heiligen Zeit der Steine übrig blieb! Eine Spurensuche

Es wurde mir einmal erzählt, dass die Berglandschaft der Pyrenäen in ihrer Gestalt an einen liegenden Drachen erinnert. Mit seinem Kopf aus dem Atlantik im Baskenland steigend, erstreckt er sich bis hin ins Land der Katalanen wo er sein Schwanzende im Mittelmeer verschwinden lässt.

Glaubt man anderen Überlieferungen, dann haben hier sehr wohl die Drachen gelebt, aber leider nicht immer in der Gestalt einer Landschafts-AhnIn, sondern und zu meinem Leidwesen wie an vielen Orten der Welt, als Bösewichte und Unwesen Treibende oder sogar als Gemahl der baskischen Mari namens Sugaar oder Herensuge, was auch Schlange bedeutet.

Vielleicht hat ja die Eine oder der Andere einmal das Glück im Frühjahr bei klarer Sicht und Rundumblick aus einer angemessenen Erhebung diese Bergschönheit zu bestaunen. Da braucht es dann keine Quellenangaben mehr über die Richtigkeit dieser Erzählung; da bleibt nur noch ein bewunderndes Ahh und Ohh darüber wie atemberaubend schön sie doch ist diese DrachInnengestalt.

Offizielle Legenden, wie es überhaupt zum Namen der Pyrenäen kam, sind dagegen meistens neueren Datum’s und wir müssen sie, wie in der Folgenden, mit der Anwesenheit des Herkules lesen. Gleichzeitig sind solche Legenden eine wahre Schatzgrube; enthalten sie doch wichtige Hinweise auf eine Zeit als Krieg und männliche Machtansprüche noch keine Rolle spielten. « Höhle, Bär, Schlange, Nymphe oder Fee »

« Als er aber seine geliebte und schwangere Pyrène auf der Flucht vor ihrem Vater « Bebryx », König eines mythischen Volkes, retten will, kommt er zu spät; hat er doch im eigenen Land mit seinen Heldentaten genug zu tun. Zerissen von einem wilden Bär, vorher gebiert sie noch schnell eine Schlange, findet Pyrène in der Höhle von Lombrives (l’Ariège, massif du Cap de la Lesse), ihre letzte Ruhestätte. Im prächtigsten Teil der Höhle und in Anwesenheit der höchsten Ordensträger der « Berkydes » spricht Herkules sein Adieu und um den Namen der Geliebten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, übergibt er ihn den Bergen; « Les Pyrénées » ! In einer weiteren, ebenfalls von den Römern mitgebrachten griechischen Version, ist Pyrène eine Nymphe und wir erfahren andere, aus dem griechischen kommende Namen, von dem Volk in den Bergen; seis drum.

Pyros, aus dem griechischen, Feuer, gleissend hell, wie ja Schneebedeckte Berggipfel durchaus leuchten können, wenn die untergehende Sonne sie in ein rotbrennendes Licht taucht. Römische Seefahrer, geblendet von der überwältigenden Bergwelt, hatten da wohl gleich einen passenden Namen parat. Eine weitaus viel logischere Erklärung bietet sich aber an; nämlich die aus der Tradition des « Abbrennens » von Wäldern welche um ca 5000-3000 v.u.Z. begann, als die ankommenden Schafhirten Weideplätze für ihre immer grösser werdenden Herden benötigten. Diese Feuer brannten Tag und Nacht und leuchteten am östlichen Teil der Pyrenäen bis weit ins Landesinnere und den Mittelmeerraum hinein. Obwohl das ungenehmigte Abbrennen von Buschwerk heutzutage verboten ist, sieht man zu meinem Leidwesen immer wieder grosse und dichte Rauchschwaden aus den Bergen in den Himmel ziehen.

Eine durchaus interessante und wesentlich ältere « iberisch-euskaria » mögliche Erklärung, bezieht ihre Kenntnisse zur Namensentstehung aus anderen Wurzeln ! Pirineos – Pirene os – Irene os – Ilene os « Berge von der Mondin »; hier ist zuerst die Silbe Il zu nennen, wie in Ilargi, was im baskischen ja

Mondin heisst. Aber auch das Suffix os wäre bedeutend, weist es doch aufgrund seiner Bedeutung und dem Vorkommen in anderen Bergformationsnamen und Flüssen, auf Kälte hin. « Mond und Kälte » würden dann für eine sehr sinnliche Herleitung sprechen, welche m.E. nach sicher nicht so falsch liegt. Mit dem Wissen, dass Wahrnehmung und somit Entstehung von Sprache aus unseren Sinnesquellen gespeist wird, ergibt diese Erklärungsvariante durchaus Sinn.

Dass nun die obige Art der Herkules-Legende in Form und Auftrag eine typisch patriarchale Erzählung ist, können wir sofort erkennen. Die im 4. und 5. Jahrhundert n.u.Z., ankommenden, christlichen Eroberer scheuten sich ebenfalls nicht, sofort alle heiligen Quellen und Höhlen, Felsen und Erhebungen, zu denen die Menschen seit Urzeiten pilgerten, mit ihren abstrusen Erklärungen zu überlagern und verfälschen, ihre passenden Geschichten dazu erfinden und in Folge alles Ursprüngliche zu ursupieren und zwar ganz nach dem Motto: « Weil nicht sein kann, was nicht sein darf » !

Doch auch die grössten Bemühungen den Ur-Grund zu verschleiern, Verwurzeltes zu entreissen, Ur- Altes zu zerstören, konnten die Symbolwelt aus der Zeit der Mütter nicht zum Verschwinden bringen. Die Menschen liessen sich nicht so einfach ihre inneren Bilder, Assoziationen und die daraus entstehenden Traditionen stehlen, verbieten oder gar verteufeln, was hier besonders für die ursprüngliche Bevölkerung der Pyrenäen, den Vasconen, galt. Ihre NachfahrInnen leben auch heute noch, « Les Basques » et « Les Gascons » ! (das V wurde im Laufe der Zeit zum B)

die Spur fürt uns…

… zur oben erwähnten Höhle « Lombrive » in der Pyrène ihre letzte Ruhestätte fand. Bis ins 19te Jahrhundert hinein hielten sich dort Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen auf. Viel interessanter jedoch ist die Tatsache, dass Lombrive zu einem Höhlennetzwerk gehört, welches drei Höhlen über eine Fläche von 14 Kilometern miteinander verbindet, darunter die bekannte Höhle von Niaux mit ihren berühmten Darstellungen von Bisons und schwarzen und roten Punkten, welche oft linienförmig dargestellt sind. Eine Höhle die ausschliesslich zu religiösen Zwecken aufgesucht wurde, wie uns die heutige archeologische Forschung bestätigt. Eine wahrhaftige Schatzkammer ist die ganze Region nördlich und südlich der Pyrenäen und die bis heute zahlreich entdeckten Höhlen mit ihren Ritzzeichnungen, farbigen Malerein, Mutter-und Frauen-Figurinen zeugen sichtlich von dieser ganz besonderen Kulturleistung unserer AhnInnen.

… zu Pyrène die angeblich eine Schlange zur Welt gebracht hat. An mehreren Orten der Pyrenäen wurden weibliche Abbildungen in Stein gefunden, denen eine Schlange aus der Vagina kommt und an der linken Brust liegend, saugt, trinkt ? Die berümteste unter ihnen ist die « femme au serpent » oder auch « la pierre d’Ôo « und wurde im Herzen der Pyrenäen im Dorf « Ôo » im Comminges gefunden.

Nun führen die meisten Interpretationen dahin, dass die Römer den griechischen Eurynome Mythos mitgebracht hätten und dieser sich dann mit lokalen Geschichten vermischte. So wird in der Schlange, wie könnte es anders sein, der Phallus gesehen, welcher Pyrène befruchtet. Verantwortlich für diese patriarchale Interpretation ist wohl die Tatsache, dass diese Steinskulpturen meistens aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammen, auch wenn man mir einen Phallus, der aus der Vagina kommend sich gleichzeitig an die Brust legt, erst noch zeigen muss. Für mich drängt sich da eine ganz andere, körperlich-logische, Erklärung auf; eine die als uralte Erinnerung aus einer Zeit stammt als die Mütter im Zentrum der Gemeinschaft standen. Wie schon Marijam Gimbutas richtig erkannte, war die Schlange im Paleolithikum und bis hinein ins Neolithikum ein Symbol für Erneuerung und Wiedergeburt. Ist es dann nicht eher die Nabelschnur, die am Besten geeignet ist für eine solche Assoziation ?

« Sofort nach der Geburt, das Neugeborene ist noch nicht abgenabelt, der Mutterkuchen ist noch in der Bauchhöhle der Mutter, wird es an die Brust gelegt » ;die Nabelschnur ist die sichtbare und lebendige Verbindung; die Schlange der Geburt und der Erneuerung.

… zum Bär, von dem sich « les Béarnais », die Bewohner des Béarn (Region im Nord-Westen der Pyrenäen) in Abstammung wähnen ; überliefert aus einer Zeit als Menschen mit den Tieren noch in heiliger, in ehrfürchtiger Begegnung und Verbindung lebten. Die Verwandlung des Bären in einen Menschen und auch umgekehrt finden wir in zahlreichen Märchen der gesamten Welt. Dass der höchste Berg im « Vallée d’Ossau » mit seinem in den Himmel gestreckten offenen Maul, als « ours » « Bär » erinnert wird, ist dann ebenfalls keine Überraschung. Auch wenn dieser uralte und erlöschte Vulkan heute oft mit Cairn, was soviel wie künstlich erschaffener Steinhaufen bedeutet, bezeichnet wird oder sogar mit « Jean-Pierre » (Pierre=Stein); das Erinnerungsbild des Bären wird dadurch nicht ausgelöscht. Die heilige Zeit der Steine ist hier so präsent, dass mir bei jedem Gang in den Bergen, bei jedem Blick auf den « Le Pic du Midi d’Ossau » « L’Ours » das Herz warm wird.

Noch etwas ist auffallend bei der Namensgebung des « Béarn « Bär und Béarn oder auch Bjar ; sprecht es laut und langsam aus, lasst es Euch auf der Zunge zergehen und lauscht auf den entstehenden Klang, dann wisst Ihr was ich meine !

Im Baskischen finden wir eine weitere Namensherleitung, « Behera » « terre d’en bas », Erde von unten oder untere Erde, welche mich sofort an eine Höhle denken lässt.

Das berühmte Höhlenbild der Bärenmutter mit Bärenkind in Ekain (Massif d’Izarraitz, südwestlich von Donostia oder San Sebastiàn) ist dafür ein wunderschönes Beispiel; der in deutscher Sprache aus körperlich-mütterlicher Erfahrung entstandene Begriff der Ge-Bär-Mutter ; Mutter-Bär, welche sich zum Überwintern in die Höhle zurückzieht und dort auch ihre Jungen zur Welt bringt; es sind alles bildhafte Zeugnisse die uns zeigen aus welcher Körperweisheit unser Weltbild ursprünglich geboren ist.

… zu den Feen, welche noch heute unter dem Namen der « hadas » (gascon) oder «lamina » (basque) im gesamten Gebiet der Pyrenäen zu finden sind. Die Vorstellungen die sich um sie ranken sind derer zu viele, als dass ich sie hier alle aufzeigen könnte. Aber dass auch sie in Höhlen lebten, den « tutas deras hadas », sie im Denken der Bergbewohner bis vor einigen Jahrzehnten noch präsent waren und sie meistens in weiblicher Gestalt erschienen, hat mich am meisten erstaunt als ich darüber bei Isaure Gratacos gelesen habe. Um diese Feen-Wesen und ihre Wohnorte soll es hier gehen. Die Hadas pflegten des öfteren, auch wenn sie als eher scheu beschrieben werden, den Austausch mit den Menschen; baten sie sogar zuweilen um Hilfe, wenn sie Sorge um ihre kleinen Kinder trugen. Umgekehrt boten sie den Menschen ihren Schutz an, wenn diese z.B.vom Unwetter in den Bergen überrascht wurden. Die Hilfsbereitschaft beruhte auf Gegenseitigkeit. « Mit den Wesen der Natur verscherzt man es sich nicht ». Isaure Gratacos hat über 20 Jahre lang die BergbewohnerInnen im Couserans und im Comminges unter anderem nach diesen Hadas befragt. Mal erschienen sie als weisse Frau und manchmal in der Gestalt eines Kindes, aber immer waren sie real und lebten schon seit urzeiten in den Bergen, in ihren Höhlen, in der Nähe von Quellen.

Ein interessanter Initiationsritus ist in diesem Zusammenhang noch sehr lebendig, denn bis vor wenigen Jahren gingen männliche Jugendliche mit einer gefalteten und angezündeten Kerze (candela de blec) zur Zeit an Lichtmess in eine ganz bestimmte Höhle, eine tuta, in der eine Hadas lebte. In genau diesen Höhlen wurden bei Ausgrabungen Knochenreste vom Höhlenbär aus dem Paläolithikum gefunden.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass genau zu diesem Zeitpunkt Mutter Bär, nach mehreren Monaten des Winterschlafes, das erste Mal ihre Nase aus der Höhle reckt; sehen ob die Sonne schon warm genug ist um ihren Bärenkindern die Welt draussen zu zeigen oder ob es angemessener ist noch ein paar Wochen im Schutz der Höhle auf besseres Wetter zu warten. Nach dem « Tod » der Natur im Winter folgt die « Wiedergeburt » der Natur im Frühling.

… zu einem baskischen Weltbild, welches uns in seiner heutigen Überlieferung noch deutlich zeigt, in welcher Vorstellung sich die Menschen der Pyrenäen eingebettet und getragen fühlten. Ihre Kosmologie kannte keine Teilung von Himmel und Erde; Sonne, Mond und Sterne wohnten in der Erde, gehörten zu ihr. Der Himmel war nur die Szene, der Hintergrund, die Leinwand auf der die Gestirne wandelten und sich im Zyklus der Tage und Nächte, der Monate und Jahre bewegten. Der Himmel war weder der Wohnort eines Götterpantheons, noch gab es den Gedanken, dass die Erde, weniger wert sein könne als der Himmel. Sie gehörten einfach und natürlicherweise zusammen. Eine hierarchische Bewertung von Oben und Unten existierte nicht in ihrer Welt der Wahrnehmung. Auch sind keine Legenden über die Entstehung der Welt zu finden. « Es war einfach schon immer so »; ein ewiger Kreislauf des Werdens und Vergehens und Wieder Werdens !

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Spirale von Sieglinde Maul

Amalur, die ErdMutter hat zwei Töchter; Eguzki, die Sonne und Ilargi, die Mondin. Ama ist die Mutter, kann aber auch Grossmutter bedeuten, wenn die Sonne mit Eguzki Amandre= Grossmutter Sonne und Ilargi Amandre=Grossmutter Mond, angerufen wird. In Ma und Ama erkennen wir die uralten, die ursprünglichen Silben für Mutter überhaupt. Auch die bekannte, baskische Mari ist eine Ur-Mutter und lebt in den Höhlen der Pyrenäen, den Höhlen der Lur=Erde. Andra Mari, Anbotoko Mari. Mari hat viele Namen und steht für sich allein, auch wenn ihr in patriarchalen Zeiten die Drachenschlange Sugaar als Gemahl an die Seite gestellt wurde. Mari ist für das Wetter verantwortlich und sie lässt es Blitzen und Donnern. Sie ist Natur, sie lässt das Leben wachsen und gedeihen, aber nimmt es auch wieder zurück. Über die Herkunft ihres Namens wird viel spekuliert. So manche meinen ihr Name wäre ein Derivat der christlichen Maria. Dies ist allerdings äusserst unglaubwürdig, da Mari schon lange vor Ankunft christlicher Missionare angerufen wurde. Auch das Wort Emari=Geschenk oder Amari =an die Mutter, wird in Verbindung mit Mari gebracht. Die Ur-Mutter ist hier allgegenwärtig und gebiert aus sich selbst heraus. Gross-Mutter-Mutter-Tochter sind das Bild eines Kosmos, der Himmel und Erde vereint und den Ort der Wiedergeburt allen Lebens in die Höhlen der Pyrenäen legt, in die Bauch-höhle der Mari.

Mit ein paar Zeilen möchte ich meine Pyrenäen-Reise und erste Spurensuche beenden.

« Feuerkugel, Drachenschlange, Bärenfrau, mir ist nicht bange. Darf ich deine Wildheit spüren , Feurig in mein Innres führen, Weich auf Schlangenwegen gehen, Sichre Tatzenspuren sehen, Wissen wenn der Wind beginnt In seinem Drängen Zeit zerinnt ».

Quellenangaben : Isaure Gratacos : Femmes Pyrénéennes, un statut exceptionnel en Europe

Isaure Gratacos : Calendrier Pyrénéens, rites, coutumes et croyances

calendaires dans la tradition orale en Comminges et Couserans

fr.m.wikipédia.org : Mythologie basque fr.geneawiki.com : Pyrénées-étude étymologique

 

Hag & Crone

Text von Steffanie Müller

Wenn ich jemals in die Lage komme, ein Pub in England zu eröffnen, dann nenne ich es The Hag & Crone. Auf dem Schild wird eine weise, wilde Alte auf einem Zauntritt sitzen, die Haare im Wind, und mit ausgestrecktem Finger auf die Gäste zeigen.

Warum? Ich werde das tun, weil die Gestalt der Weisen Alten in unserer Gesellschaft immer noch im Zustand nach der Ausmerzung lebt. Es gibt einige alternative Tarot Decks, in denen sie gewürdigt wird, einige Bücher und zum Glück auch immer mehr Menschen mit sorgsamem Sprachgebrauch und Interesse an unseren matrifokalen Wurzeln. Generell finden wir aber „alte Hexe“ (Hag), „alte Vettel“ / „altes Weib“/ „Tante“ (Crone), „Oma“, usw als negativ besetzte Worte, als Beschimpfungen.

Die ursprügliche Bedeutung finden wir noch in Überbleibseln wie hag stone (Hühnergott – diese Feuersteine mit Loch), hag’s taper (Königskerze). Ursprünglich nämlich bezogen sich alle diese Bezeichnungen auf Weisheit/Heiligkeit/Verehrung. Auch im Wort Witch z.B. (Hexe) steckt „wit“ – für weise, gewitzt.

Die Hagazussa, die Zaunreiterin, die zwischen den Welten wechselt, die zerzauste Frau, die mit den Elementen Kontakt aufnimmt. Die Alte, die bewusst mit dem Alter, der Erfahrung und dem spiraligen Lebensweg umgeht. Die Großmutter. Das sind machtvolle Rollen. Machtvolle Frauen. Frauen, die wieder an das alte Wissen anknüpfen. Viel davon wurde ausgerissen, zerstört und voller Hass vernichtet (Hexenverfolgungen, Missionierung, Unsichtbarmachen in Bildung und Lehre).

An etliche Anteile kommen wir mittlerweile über wissenschaftliche Forschung über die Menschheitsgeschichte, die Bio-Logie, wieder heran, an andere Anteile über schamanische Zugänge des Fühlens, Raumgebens, Spürens, Eintauchens, durch Einsatz unserer Körperweisheit.

Die Kraft und Magie von Hexen wird heute kaum geachtet, wohl aber (zum Teil fast abergläubisch) gefürchtet, ebenso die Kraft vieler Gesten. Versucht mal, auf Männer zu zeigen. Spuckt. Schaut im Film „Antonias Welt“ die Szene an, wo die Großmutter den Vergewaltiger der Enkelin verflucht, was dort für eine Macht gezeigt wird. Denkt an die Sippenmutter in „Mond, Mond, Mond“, die einen Fetzen von ihrem Rock zu reißen droht, um ihn dem gewalttätigen Mann an den Kopf zu werfen, was sie damit für eine Panik auslöst.

Wer heute abwertend „Tante“, „alte Schachtel“ („ugly old bag/hag“) etc. benutzt, um über Frauen zu sprechen, soll sich im Klaren sein, dass diese Formulierungen aus der Inquisitionszeit stammen, in denen der Hass der patriarchalen Theologie Christentum Frauen in mächtigen Positionen, denkende, lehrende, helfende, heilende, unabhängige Frauen, ausradieren wollte und dies mit Folter und Feuer durchsetzte. Damals wurde mit Gewalt die Bedeutung ins Negative verkehrt.

Es wird Zeit, Sprache auch in diesem Bereich wieder bewusst und klar einzusetzen. Alter ist kein Fehler. Eine Oma ist eine Frau mit Enkeln. Tante ist die Mutter- oder Vaterschwester. In alten Schachteln stecken oft wunderbare Dinge.

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