Es geht ums „Mutterglück“.

Text von Rona Duwe

Es geht um das vermeintliche Mutterglück, Mutter-(Bindungs)-hormone, Mütter, die arbeiten und „Fremdbetreuung“.

Ohne Zweifel ist die Mutter und der Mutterkörper der Ursprung von Leben. Außerdem ist die Bindung zwischen Mutter und Kind normalerweise die engste Bindung, die auch hormonell befördert wird. Ich kriege jedoch seltsame Beklemmungsgefühle, wenn diese natürliche Bindung in Teilen meiner Timeline dazu führt, dass die Mutter-Kind-Bindung als einzige und beste Betreuungsform eines Kindes zelebriert wird. Wenn ich wiederum alles, was ich so über Patriarchatskritikforschung und Matrifokalität gelesen habe, für mich zusammenfasse, komme ich zu einem etwas anderen Ergebnis. Darüberhinaus strebe ich eine Einbettung dieser Erkenntnisse in unsere heutige Realität an.

Bringen wir es doch mal auf den Punkt: Genauso wenig wie Hormone eines Liebesrauschs mit anschließender Hochzeit Frauen zuverlässig lebenslang versorgen, ernähren Bindungshormone und Mutterglück allein Mutter und Kind. Darüberhinaus ist das mit dem Mutterglück eine sehr variable Größe und ich weigere mich dagegen, es als gestört zu betrachten, wenn etliche Mütter es nicht als wichtigsten Lebensinhalt betrachten, das von ihnen geborene Kind rund um die Uhr zu versorgen.

Der Mensch ist von seiner Soziologie her ein Sippenwesen. Unser heutiges Lebens-, Liebes- und Familienideal – die Kleinfamilie – ist in Wahrheit nicht menschartgerecht, sondern dysfunktional und sogar gefährlich. Das eigene Zuhause ist für Frauen und Kinder der gefährlichste Ort. Das liegt unter anderem an der Isolation und Dauerüberforderung aller Beteiligten dieses Modells. Besonders die Mutter leidet unter dieser Belastung, was sich selbstverständlich auf die Kinder auswirkt. Der Vater kommt innerhalb dieses Modells wiederum in eine gefährliche Machtposition und ist als „Haupternährer“ in anderer Form ständiger Überforderung ausgesetzt.

Wachsen Kinder dagegen wie in der Frühzeit des Menschen in Sippen auf, ist die Wirtschafts- und Versorgungslast und die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Kinder erleben nicht nur die Mutter als Bezugsperson, sondern leben in einem Geflecht vieler unterschiedlicher Betreuungspersonen, die sich allerdings zugewandt und verlässlich um die Kinder kümmern. Die Mutter wiederum wird dadurch nicht rund um die Uhr mit der Versorgung ihrer Kinder alleingelassen. Stattdessen beteiligt auch sie sich an der Erwirtschaftung des Lebensunterhalts der Sippe. Kinder laufen im Alltag mit. Sie stehen nicht im Zentrum aller Bemühungen, sind aber dennoch optimal versorgt.

Ich habe ja für die herstory-Website damals die Frauen-Figurinen der Steinzeit freigestellt. Über viele tausend Jahre waren die einzigen Darstellungen des Menschen Frauen-/Mutterkörper und Vulven. Warum? Weil aus Frauen/Vulven das Leben kommt. ABER: Diese Frauen hatten NIE ein Kind im Arm (wie die Maria). Sie standen also in ihrer Kraft für sich und mussten nicht über ein Kind in ihrer Bedeutung und „Funktion“ legitimiert werden. Das zeigt eben für mich auch sehr deutlich, dass das Frauen/Mutterbild ein völlig anderes war. Und dass die Frauen ihre Bedeutung nicht beweisen oder erkämpfen mussten. Und es ist doch verständlich für jedes Kind, dass der Urmensch NIE so lange hätte überleben können, wenn die Frauen nur untätig bei den Kindern in der Höhle gehockt hätten.

Die Ernährung war überwiegend vegetarisch. Das sog. Wildbeutertum war paritätisch als „Arbeit“ verteilt, oder sogar überwiegend Frauenarbeit. Auch die frühe Landwirtschaft mit der Hacke war in Frauenhand bzw gleichberechtigt verteilt. Erst Pflug und Viehzucht brachten den Einbruch für Frauen. Daneben auch die Erkenntnis der Vaterschaft von Männern durch Viehzucht. Die Erkenntnis von Vaterschaft führte dann zu einer völligen Selbstüberschätzung von Männern. Sie sahen sich plötzlich als Schöpfer und die Frau nur als Gefäß. Die Frau hatte nur eine Bedeutung, wenn sie einen Sohn des Mannes vorweisen konnte (> Maria). Wobei Maria immer noch ein Zugeständnis an die Urreligion der Urmutter war, die aseitätisch (ohne Mann) schwanger wurde.

Was folgere ich persönlich aus dieser Erkenntnis: Ja, in der Regel ist die Mutter die wichtigste Bezugsperson für ein Kind. Das heißt aber wiederum nicht automatisch, dass es Kindern schadet, wenn ihre Mütter arbeiten. Es heißt auch nicht, dass es Kindern schadet, wenn sie von anderen Personen als der Mutter versorgt werden. Die Frage ist, wie die Versorgung geschieht, welche Qualität sie hat, wie verlässlich sie ist und wie zugewandt. Aktuell wird die Versorgung von Kindern in Deutschland eher schlecht finanziert. Jegliche Arbeit, die die Betreuung und Pflege von Menschen und Menschenkindern zum Inhalt hat, wird schlechter bezahlt, als z.B. eine immaterielle Arbeit im Finanzwesen. Care-Arbeit ist unbezahlt und wird überwiegend von Frauen geleistet. Dabei ist Care-Arbeit eigentlich die wichtigste Arbeit.

Die Mutter wieder – wie in der Frühzeit des Menschen – ins Zentrum zu stellen halte ich nach wie vor für das wichtigste Ziel. Weil: Wenn es Müttern gut geht, geht es Kindern gut, geht es auch Männern gut, geht es Menschen allgemein gut UND geht es der Umwelt gut. Unsere jetzige Realität ist aber, dass Mütter überwiegend die schlechteste Position in unserer Lebens- und Wirtschaftswelt haben – selbst wenn sie lohnarbeiten. Wenn wir allerdings echte Wahlfreiheit für Mütter ermöglichen würden, wenn wir das Zentrum unserer finanziellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bemühungen auf das Wohl der Mütter legen würden, sähe unsere Welt ganz entscheidend anders aus. Davon bin ich überzeugt. Das hieße zum Beispiel auch, Kinder wirklich optimal zu betreuen und zu versorgen. Egal, ob die Mutter das selbst übernimmt, oder ob das in einer Kita, OGS oder von einer Tagesmutter erfolgt.

Mütter dürfen arbeiten. Die Frage ist nur, unter welchen Bedingungen. Und ein mutterzentriertes Arbeiten hieße eben auch, dass die aktuelle ausbeuterische, neoliberale Form von Lohnarbeit in die Schranken gewiesen werden müsste zugunsten einer Arbeitswelt, die auch die wichtigen sozialen und zwischenmenschlichen Bedürfnisse und das wichtige Recht auf Muße des Menschen berücksichtigt.

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Figur: Sieglinde Maul

 

Tatsache.

Text von Steffanie Müller

PATRIARCHAT („Herrschaft der Väter“) beschreibt eine Tatsache. Es begann damit, dass Männer „eigene“ Kinder für sich beanspruchten und damit auch die Sexualität der Mütter kontrollieren wollten.

Mittlerweile leben wir seit einigen Jahrtausenden mit der unnatürlichen und dysfunktionalen Gesellschaftsform Patriarchat. Menschen haben versucht, sich darin so einzurichten, dass sie möglichst gut überleben können.

Wenn jemand es in dieser feindlichen Lebensform schafft, ein guter, d.h. sorgender, liebevoller, etc. Vater, Partner, Onkel, Bruder, Cousin zu sein, ist das eine Leistung. Diese Leistung wird von uns PatriarchatskritikerInnen nicht geschmälert. Ein „toller Papa“ ist ein toller Papa. (Was für eine enorme Leistung es von Frauen ist, im Patriarchat zu überleben, Kinder zu versorgen, etc., wird übrigens selten erwähnt.)

Trotzdem gilt: Auch die gelungenste Kleinfamilie ist ein äußerst suboptimales Modell: Die Versorgungslast lastet auf maximal 2 Menschen, wo sich natürlicherweise eine ganze matrifokale Sippe befände. Die Bindung des Vaters zu den Kindern wird meist an seine Beziehung zur Mutter geknüpft, das heißt, der Paar-/Sexualbeziehung wird eine versorgende Rolle sowie die Monogamie auferlegt, auch das ein künstliches Konstrukt, das der Machtübernahme und -erhaltung der Väter dient(e).

Weiterhin gilt trotzdem: Kein noch so nicht-patriarchaler Mann kann wirklich nachvollziehen, wie es ist, in dieser Welt in dieser Zeit als Frau aufzuwachsen. Es ist eine komplett andere Lebenserfahrung, Sozialisierung, es sind komplett andere Bedingungen und Voraussetzungen, immer noch, trotz aller „Gleichberechtigung“. Und jeder noch so freundliche, sorgende, nicht-patriarchale Mann ist unendlich privilegiert gegenüber Frauen.

Wir leben nun einmal leider seit einigen Jahrtausenden im Patriarchat, es gibt keine matrifokalen Sippen mehr, die ursprünglich leben, wir können auch keine aus dem Hut ziehen. Wir müssen von diesem Punkt aus weitermachen, dürfen uns weder in rosarote Sehnsucht nach idyllischen Frauendörfern verrennen, die dann schon irgendwie „matrifokal“ funktionieren würden, noch uns fürs Patriarchat weiter verbiegen. Mit dem Aufnehmen (lesen, hören, schauen, zuhören, fragen…..) der Informationen wie aus dem u.g. Vortrag von Gabriele Uhlmann, dem Durchdenken, Sackenlassen, dem Akzeptieren des Schmerzes, den das auslöst, ist schon ganz viel getan.

Alles, was im Patriarchat funktioniert, angenehm und schön ist, ist TROTZ, niemals auf Grund des Patriarchates mit viel Glück gelungen.

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von Anke Rammé Firlefanz

Sprengstofftext

von Rona Duwe

Die Erfindung von Vaterschaft

Es müsste endlich mal bis auf höchste Ebene durchsickern, dass eines unserer größten rechtlichen, gesellschaftlichen und politischen Probleme die Erfindung von Vaterschaft ist.

Vaterschaft ist als Institution und Rolle in der Natur nicht vorgesehen. Über das Sperma ist ein Mann zwar indirekt eingebunden in die Entstehung neuen Lebens. Er zeugt das Leben aber nicht. Die Zeugung von Leben über den Vater ist ein Mythos. Den Hauptteil der Arbeit bei der Entstehung eines Kindes übernimmt die Eizelle und später der mütterliche Körper. Auch nach der Geburt leistet der Mutterkörper den überwiegenden Teil der Arbeit, um ein Kind am Leben zu erhalten. Trotz aller Gleichberechtigungsbestrebungen gibt es also rein körperlich schon keine Gleichstellung, wenn es ums Thema Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Stillen geht. Realistisch gesehen trägt sich das auch weiter fort, denn nach wie vor übernehmen Mütter – selbst wenn sie lohnarbeiten – den überwiegenden Anteil der Carearbeit.

Warum werden also dem Geschlecht, das körperlich gerade mal 1% zur Entstehung von Leben beiträgt, so viele Rechte am Kind zugestanden?

Warum führen wir den Mythos fort, ein Kind brauche einen Vater?

Auch das ist ein Mythos, den die überwiegend frauenfeindliche Psychologie seit Freud pflegt und hochhält.

Warum beteiligt die Natur den Mann mit nur 1% an seiner „Vaterschaft“?

Wie entsteht aus diesen 1% die Aussage, das Kind brauche „seinen biologischen“ Vater?

Die Biologie sagt, real hat der Mann einen verschwindend geringen Anteil, mit dem er aber plötzlich behauptet, er sei biologisch/soziologisch furchtbar wichtig für das Kind.

Spoiler: Ist er nicht.

Ein Kind entwickelt sich ohne Vater prächtig im Bauch der Mutter.
Ein Kind wird nicht vom Vater geboren.
Ein Kind wird überwiegend nicht vom Vater ernährt nach der Geburt.

ABER: Ein Kind braucht Zuwendung, Schutz, Pflege, Unterstützung von vielen Menschen – Männern und Frauen, die dem Kind zugewandt sind, sich für es verantwortlich fühlen, seine Bedürfnisse achten und befriedigen, für sein Überleben sorgen. Die dem Kind Menschlichkeit und das Bestehen in dieser Welt vorleben. Ja. Dazu werden tatsächlich auch Männer gebraucht. Von der Frühgeschichte des Menschen an. Von der Frühzeit des Menschen an werden Männer auch gebraucht, um die Frauen und Mütter zu unterstützen, um beim Schutz und dem Auskommen der Sippe zu helfen, um einen Rahmen zu schaffen, in dem das (neue) Leben überlebt und gut versorgt ist.

Für all das braucht es den Begriff, die Rolle und den Mythos „Vater“ nicht. Ein Mann muss nicht wissen, welches seine Kinder sind, um sich für Kinder mitverantwortlich zu fühlen. Das soziologische Band entstand ursprünglich aus Blutsverwandtschaft. Männer blieben in ihrer Muttersippe und versorgten daher verwandte Kinder mit. Aber natürlich schlossen sie sich auch nicht-verwandten Sippen für eine gewisse Zeit an und die Frauen dieser Sippe vergnügten sich u.a. sexuell mit ihnen. Oder Frauen begaben sich auf Reisen aus ihren Sippen heraus, um nichtverwandten Männern zu begegnen. Dennoch war auch hier nie wirklich nachweisbar, wer Vater von wem ist. Es war auch schlicht nicht klar, dass Sex eine Schwangerschaft erzeugen kann (übrigens biologisch ganz real ist nur nach sehr wenigen sexuellen Begegnungen eine Schwangerschaft die Folge. Sex wird überwiegend aus Spaß und Lust betrieben). Es herrschte die Überzeugung, dass Frauen aseitätisch schwanger werden (also eigenmächtig mit Hilfe der Natur).

Kinder binden sich wiederum an Menschen – Männer und Frauen -, die sich um das Kind kümmern, die es versorgen, mit ihm spielen und Zeit verbringen, die ihm etwas beibringen und zeigen, die sich ihm grundsätzlich zuwenden. Diese Bindung ist überwiegend unabhängig von tatsächlicher Blutsverwandtschaft, wobei die Bindung zur Mutter naturgegeben normalerweise besonders eng ist, weil ein Kind mit dem mütterlichen Körper auf ein vielfaches verwoben ist. Optimalerweise hat ein Kind viele Menschen, die ihm zugewandt sind. Optimalerweise hat auch eine Mutter viele Menschen um sich, die sie unterstützen mit dem Kind. Menschen können auf sich allein gestellt kaum überleben. Menschen und Menschenkinder brauchen andere Menschen. Männer und Frauen.

Vaterschaft an sich bringt keine Vorteile für den Fortbestand von Leben. Es mag sein, dass sich ein Mann anders zuständig fühlt für ein Kind, wenn es ihm als „sein Kind“ vermittelt wird. Gleichzeitig entwickelt sich dadurch aber auch ein Besitz- und Herrschaftsanspruch, dessen negative Auswirkungen wir heute überall beobachten können. Vaterschaft ist nämlich – im Gegensatz zu Mutterschaft – keine gesicherte Größe. Vaterschaft ist per se instabil. Ein Mann braucht eine Frau und einen Mutterkörper, um Vater zu werden. Eine Frau braucht einen Becher Sperma, um Mutter zu werden. Selbst wenn ein Mann mit einer Frau Sex hat und diese ein Kind bekommt, weiß er ohne Vaterschaftstest nie sicher, dass es „sein Kind“ ist. Genau aus diesen Gründen muss Vaterschaft rigoros und nicht selten gewaltvoll gesichert werden über die Aneignung eines Frauenkörpers. Mit Natur, auf die sich da gern berufen wird, hat das herzlich wenig zu tun. Natur ist an Leben interessiert. Für Leben braucht es keine Vaterschaft und Vaterschaft ist per se nicht natürlich.

Vaterschaft und väterlicher Herrschafts- und Besitzanspruch ist aber wiederum die Ursache vieler Probleme. Eben weil Vaterschaft so angreifbar und eben nicht natürlich ist. Gewalt, Kriege, Kapitalismus, Theologie und theologischer Extremismus, Rechtsradikalismus, Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Femizide, jahrzehntelange Umgangs-Gerichtsverfahren nach Trennungen uvm. lassen sich auf die Ideologie der Vaterschaft zurückführen.

Dabei ist es stinknormal, richtig und natürlich, dass Frauen viele Sexualpartner haben, Kinder von verschiedenen Männern bekommen, Partner wechseln und selbst entscheiden, ob sie überhaupt Kinder bekommen. Die Investition einer Mutter in ein Kind ist um ein vielfaches höher, als die Investition eines Vaters. Von daher ist es wichtig und natürlich, dass sie allein über ihren Körper entscheidet.

Umgekehrt leiden Kinder nicht automatisch, wenn ihr „biologischer Vater“ nicht da ist, aber leiden, wenn sie wichtige Bezugspersonen, die sich um das Kind aufrichtig gekümmert haben, verlieren.

Natürlich leiden Kinder auch unter Stigmen und Mythen. Wenn einem Kind die ganze Zeit vermittelt wird, dass seine Familie nicht richtig oder vollständig ist, weil der „echte“ Vater fehlt, leiden sie. Wenn von frühester Kindheit an bestimmte Familien- und Lebensformen als „normal“ vermittelt werden und angeblich alle das so leben und das daher angeblich richtig sei, leiden Kinder unter dem Nicht-richtig-sein. Das bedeutet aber wiederum nicht, dass unsere aktuelle Norm zwangsläufig richtig und natürlich ist.

Die aktuelle Entwicklung Richtung Radikalisierung ist sehr eng verknüpft mit unserem Männlichkeits- und Vatermythos. Dieser soll laut vieler Extremisten wieder etabliert werden, auch wenn er nie ernsthaft abgeschafft wurde. Durch die Erstarkung der Frauen und Mütter schwankt er. Ja. Aber er ist immer noch sehr mächtig. Aus dieser Perspektive erschließt sich auch, warum Frauenrechte derzeit wieder massiv angegriffen und ausgehöhlt werden. Und damit auch Menschenrechte und Rechte marginalisierter Gruppen.

Ein Vater ist per se nicht am Leben und Wohlergehen aller interessiert, sondern an seiner Macht und seinem Einfluss. Daher muss der Vatermythos gestürzt werden.

 

 

Den Mund aufmachen.

Text von Rona Duwe

Was passiert, wenn eine Frau wie ich den Mund aufmacht und in scharfer und direkter Form strukturelle Probleme, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten des Patriarchats benennt? Es wird versucht, sie ruhigzustellen. Wie? Indem sie persönlich angegriffen wird und indem das, was sie benennt, als persönliches Problem hingestellt wird. Wie zum Beispiel?

„Dein Hass auf Väter/Männer ist ja furchtbar. Du musst schlimmes erlebt haben.“
„Was ist Ihnen geschehen, dass Sie so schreiben?“
„Du musst nur mal richtig gefickt werden.“
„Ihre armen Kinder!“
„Ich wünsche Ihnen von Herzen Seelenruhe und Liebe. Das scheint Ihnen zu fehlen.“
„Es tut mir leid, dass Sie so wütend sind.“

Tatsächlich sind strukturelle Probleme im Patriarchat sehr persönliche Probleme. Besonders für Mädchen, Frauen und Mütter. Sie bekommen diese so gut wie tagtäglich am eigenen Leib zu spüren. JEDE Frau erlebt Übergriffe. Frauen werden aber gleichzeitig so erzogen, dass sie sich schämen für diese Erfahrungen und sie oft mit sich allein ausmachen. Dadurch entsteht das Gefühl, es sei nur ein persönliches, selbstverschuldetes Problem. Erst seit #metoo ändert sich das.

Das Silencing und Derailing über „Es ist nur Dein persönliches Psycho-Problem, Darling“ folgt genau dieser Schiene, Frauen über ihre Scham anzugreifen. Es klingt erst nett, ist aber nicht nett und schon gar nicht klug. Es zeigt die Ignoranz gegenüber strukturellen und flächendeckenden Problemen. Und es löst kein einziges dieser Probleme. Es zielt darauf, alles so zu halten, wie es ist.

#patriarchatskritik

Kritisch und humorlos.

Text von Steffanie Müller

Ich habe gerade Luisa Francias Blog gelesen (salamandra.de – dann zu Tagebuch, Beitrag vom 01.08.) und bin wieder einmal sehr einverstanden. Sie benennt, erkennt, beobachtet völlig unbestechlich und unabhängig und zieht logische Schlüsse. Wenn wir das tun, kommen unsere Mitmenschen immer wieder an den Punkt, uns als humorlos, zickig, überkritisch zu bezeichnen. Wir „dürfen“ bis zu einem bestimmten Punkt Kritik üben, aber wir sollen sie halt nur üben, nicht wirklich umsetzen. „Du kannst doch nicht alles Schlimme aufs Patriarchat zurückführen!“,  kommt dann der entsetzte Ruf. Doch, kann ich, kann jede, es ist gar nicht schwierig, es tut weh, natürlich tut es weh. Genau wie Luisa schreibt: Die Rettungsversuche sind nur Augenwischerei, da sie nicht an die Wurzeln gehen. Dass wir trotzdem lachen, gerne leben, sinnlich leben, großartige Erlebnisse haben, Ahnbindung erfahren, uns im Kosmos geborgen fühlen, entgeht denen, die gerne im Patriarchat und dem „Das war doch immer so“ – Irrtum verharren wollen.

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Und wir sind wirklich nicht die einzigen, auf die es ankommt.

Freiwillig.

Hier mal was zu den immer wiederkehrenden Argumenten der Freiwilligkeit und des „Ich tu das nur für mich“:

Wir dürfen nie vergessen, dass wir alle vom Patriarchat schwer beschädigt sind – seit es existiert, baut sich das auf – und einer mehr oder minder schweren Gehirnwäsche und deren mehr oder weniger gefährlichen Folgen unterliegen. Wenn ich behaupte, ich zupfe mir „nur für mich“ die Augenbrauen, ist das nicht weiter gefährlich. Richtig ist es allerdings auch nicht. Das tu ich, weil ich ein Schönheitsideal, das patriarchatsentsprungen ist, für meines halte. Es gibt keinen logischen Grund, warum Körperhaare ausgerissen werden sollten. Wenn ich ein Kopftuch trage, weil ich den Glauben an einen Gott akzeptiere, der böse wird, wenn Frauen ohne Kopftuch herumlaufen, trage ich es nicht freiwillig. Auch nicht, wenn mein soziales Umfeld mich ausgrenzt, wenn ich irgendeine Regel nicht befolge. Wenn ich am Badestrand nicht oben ohne liege, weil dickhosige Pseudobürgerwehrtypen patroullieren (wie jetzt in München an der Isar geschehen), ist keinerlei Freiwilligkeit da. Wenn ich meine, bei 50 shades of Grey oder der sogenannten Sexarbeit (die weder Sex noch Arbeit ist) ginge es um lustvolle Selbstbestimmung, sitze ich einem Irrtum auf: Die Lust an sexueller Gewalt ist genauso natürlich wie die von Frauen praktizierte Genitalverstümmelung an Mädchen. 

(Text von Steffanie Müller)

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Blick in die Gärten

Im „Unkraut“ ist diese ganze patriarchale Überheblichkeit enthalten, die sich auch noch bei vielen angeblich „umweltfreundlichen“ Menschen findet. Diese Überheblichkeit, die meint, das RECHT zu haben, zu bestimmen, was wächst, was vernichtet wird, was lebt und was stirbt – kein Miteinander und in Verbundenheit Leben sondern das sich untertan Machen. „Argumente“ dazu fangen gerne an mit „Ja, aber“, gehen weiter mit „das geht doch nicht“ und werden gerne ausgelebt mit lauten, stinkenden Maschinen.

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Dabei wächst alles so wie es soll.