Erfahrungsberichte

Zeitphänomen

Text von Steffanie Müller

Eigentlich geschieht zur Zeit gerade das wieder, das schon geschehen ist, als ich mir als Kind, als sehr kleines Kind, der Unsinnigkeit meiner Umwelt bewusst wurde. Vom ahngebundenen Leben, barfuß und fühlend, tönend und mich bewegend, stürzte ich in ein Regelwerk, das mir unverständlich war (und ist). Im Laufe der Zeit habe ich viele Regeln nicht begriffen aber gelernt und konnte so tun als hielte ich mich daran und teilweise habe ich mich auch daran gehalten. Trotzdem blieben meine regelkonformen Handlungen immer Theater. Die Menschen, die mich wirklich berühren und begleiten, halten und trösten, sind Menschen, die außerhalb dieser Regeln leben. Das sieht man im Außen nicht. So manche rebellische Person hat sich im Laufe der Zeit als systemkonform erwiesen und die widerspenstigen Gedanken waren einfach eine Übung für Lono (den lösungsorientierten Verstand, der Probleme liebt). Und so manche Person, die unauffällig lebt und selten in Konflikte gerät, ist im Inneren frei und nicht mit dem System verknüpft. Was ich hier System nenne, ist natürlich die patriarchale Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin und an deren Normen sich immer noch fast die ganze Menschheit orientiert. Als Kind fiel ich tief in die Verzweiflung an der Unverständlichkeit dessen, was die Menschen da tun. Es wurde nicht besser, je mehr ich lernte. Der kalte Krieg und Tschernobyl, immer neue Kriege, immer mehr Berichte über Zerstörung und Leid, Pflanzen, Tiere, Menschen, die Erde selbst betreffend, kamen dazu. Und in meiner Umgebung herr-schten Religionen, Politik, Misogynie, die Verehrung von männlichen Schriftstellern, Philosophen, Künstlern. In vielen Jahren habe ich eine Lebensweise gestaltet, die Freundinnen, Bewusstheit, Ahnbindung, Patriarchatskritik, meinen Raum, umschließt. Trotzdem blieb natürlich immer noch die Anstrengung, mich im System nach meinen Regeln zu bewegen, immer noch sehr viel so tun als ob. Diskussionen und Fassungslosigkeit über die Unwilligkeit nahestehender Menschen, zu begreifen. Und jetzt bin ich 50 Jahre alt und das Patriarchat, das System, zeigt seine ganze Un-Sinnigkeit, Un-Sinnlichkeit, nicht „nur“ in den Ungeheuerlichkeiten der Kriege und der Zerstörung irgendwo auf dieser Erde, sondern auch direkt im deutschen Alltag des 21. Jahrhunderts. Immerhin liegen nun nur gut 2 Monate kompletter Fassungslosigkeit hinter mir. Es geschieht mit Brennglasqualität und im Turbotempo. So schnell wie in dieser angeblichen Krise, die einem Virus aus der Gruppe der Coronaviren zugeschrieben wird, die aber aus einer weltumspannenden Massenpanik resultiert, haben sich Klarheit, Bewusstheit, Verblendung und abergläubische Angst selten gezeigt und selten haben sie zu einer solchen Trennung von Menschen, Einstellungen, Freundschaften, Beziehungen geführt. Für mich hat die Fassungslosigkeit nun ein Ende. Ich weiß einmal mehr, dass ich weder systemkonform bin noch (auch so ein neues Unwort) systemrelevant sein will, soweit das System Patriarchat gemeint ist. Ich lebe in einer Welt, die sich zum großen Teil noch an diesem System orientiert. Und ich werde weiter meine Nischen, meine Lücken, meine mäandernden Pfade suchen und finden, die Menschen, in denen und auf denen und mit denen  ich mein ahngebundenes Leben lebe. 

Durchschau

Text von Steffanie Müller
Ich habe seit meinen frühesten Erinnerungen immer das Gefühl gehabt, nicht zu passen, wie ein falsches Puzzleteil, wie in der Fremde, ich hatte Heimweh nach etwas, das ich nicht kannte. Natürlich suchte ich den Fehler bei mir und kompensierte, passte mich an, verstellte mich, machte die Gesten.
Irgendwann begriff ich, dass es nicht an mir lag, konnte aber nicht greifen, warum die Gesellschaft um mich herum so war wie sie war, und so pendelte ich zwischen dem Eindruck eine Art untaugliches Exemplar oder einsam überlegen zu sein. Erst als ich die historischen und biologischen Tatsachen erkundete, als sie mir endlich zugänglich wurden (weder mein Elternhaus der 10.000 Bücher noch die Schule, noch die Universität, noch die ersten 15 Jahre alternativer Denk-, Heil- und Lebensweisen hatten eine Ahnung davon), kam mit dem Begreifen eine enorme Erleichterung, die Erleichterung des Verstehens.
Wir leben in einer widernatürlichen Art und Weise, sind verletzt und indoktriniert durch 6.500 Jahre patriarchaler physischer und psychischer Gewalt. Das Wissen um die ursprüngliche Lebensart und das natürliche Sozialverhalten der Menschen (Matrifokalität) wurde und wird uns vorenthalten. Sämtliche „Störungen“; alles Leid, alle Zerstörung durch Kriege, Kapitalismus, Kirchen, Konzerne etc. folgen aus dem Patriarchat. Seelische und damit zusammenhängend auch viele, wenn nicht die meisten, körperliche Krankheiten sind eine gesunde Reaktion auf eine toxische Umwelt/Lebenssituation, in die wir vorgeblich alternativlos hineingepresst werden.
Nach der Erleichterung der Erkenntnis folgte eine Phase der Wut über diesen ungeheuerlichen Betrug, diese unglaublichen Lügen, die Theologien, Wirtschaft, Lehre, Medizin, Politik, Philosophie usw. uns seit Jahrtausenden vorsetzen. So eine Gewalt, so ein Mißbrauch, so eine Bösartigkeit, so eine Verschwendung von Energie, Talent und Chancen.
Teilweise zugleich mit der Wut erlebte und erlebe ich immer noch eine tiefe Trauer. Die Trauer über die Gründlichkeit der patriarchalen Gehirnwäsche – es ist überall, es durchzieht alle Kulturen, alle Lebensbereiche, Märchen und Witze, Musik und Rituale, Schulen und Supermärkte, Esoterik und Schulmedizin, Friedensbewegung und Feminismus, es ist omnipräsent und beeinflusst immer noch alles. Die Trauer über die Reaktionen so vieler Menschen, die die Informationen belächeln, bekritteln, leugnen, ablehnen, die sich durch Tatsachen beleidigt fühlen (z.B. durch die nachgewiesenen Prozentzahlen männlicher Gewalt, durch den geringen männlichen Anteil an Schwangerschaft und Geburt, durch die Entlarvung der monogamen Paarbeziehung plus Kleinfamilie als ungünstige und unnatürliche Lebensform).
Seit ich offen patriarchatskritisch lebe, rede, schreibe, spreche, besteht mein Alltag zum viel zu großen Teil aus
„Ja, aber…“
„Du kannst doch nicht alles aufs Patriarchat zurückführen“
„Sei doch nicht so überkritisch“
„deine matrifokale Bösartigkeit“
„Ich fühle mich angegriffen“
„Gewalt gehört zur Natur des Menschen“
„So kann man das doch nicht sagen“
„Du klingst so verbittert“
„Patriarchatskritik gehört in keine Diskussion“
Im Internet wird es drastischer formuliert, da bekommen wir „vertrockneten Emanzen“ als Kur gewalttätigen Sex angedroht. Das ist frustrierend und nervig, tut aber nicht so weh wie das Negieren und die Verächtlichkeit im engsten Umfeld, das Reagieren mit Beleidigtsein auf Informationen. Dann möchte der Teil in mir, der diese Menschen liebhat, gerne sagen „War ja nicht so gemeint“, das geht aber nicht, denn es ist so gemeint, weil es wahr und wichtig ist und weil ich nichts daran ändern kann (und will), dass es wahr und wichtig ist.
Ich verstehe, dass der Schmerz der Männer anders gelagert ist: Ob deine Unterdrückung und die Ausmerzung deiner weisen Ahninnen und all ihres Wissens oder deine (vermeintlichen – in Wirklichkeit sind es ja keine, ohne Patriarchat ginge es auch den Männern besser) Privilegien auf einer Lüge, auf Gewalt und Pervertierung beruhen, macht einen Unterschied. Dafür kann ich aber nichts.
Es gibt durchaus auch Männer, die das Patriarchat durchschauen und dagegen arbeiten, die sich vom Patriarchat beschnitten und beschädigt wissen, z.B. Gerhard Bott (historisch), Georg Reischel (biologisch), leider viel zu wenige, genauso wie es Frauen gibt, die dem Patriarchat in die Hände spielen, leider viel zu viele.
Das Patriarchat schadet allen Menschen und ebenso massiv und in den letzten Jahrhunderten der Technisierung für jede(n) erkennbar explosionsartig der gesamten Natur, ob Pflanzen, Wasser, Erde, Luft und Tierwelt (in menschlicher Gewalt oder freilebend).
Dass der logische Zusammenhang Patriarchat und Lebensfeindlichkeit immer noch geleugnet wird. dass mit Macht (!) nur an Symptomen herumgedoktert wird, dass wir in vielen Bereichen wieder hinter das zurückfallen, was wir schon erreicht hatten, ist schwer zu ertragen.
Wir Patriarchatskritikerinnen werden als Spaßbremsen, untervögelt, fanatisch und was nicht noch alles bezeichnet. So ähnlich ging es denen, die erklärten, dass die Sonne sich gar nicht um die Erde dreht. Wir rütteln ebenso an einer Verblendung, die als gottgewollte, natürliche, selbstverständliche Gegebenheit wahrgenommen wird.
Und wir rütteln weiter, denn neben all dem Schmerz ist da auch immer die Freude über das Wissen, die Lebendigkeit durch die WiederaHnbindung an das, was verschüttet war und die Hoffnung, dass in Zukunft das Patriarchat in sich zusammenfallen wird, da es so nicht weitergehen kann.

Schuld, Angst und Sünde

Text von Steffanie Müller

Im ursprünglichen Verständnis von der Mutter im Zentrum gibt es keinen Raum für Ängste vor Strafen nach dem Tod, vor Höllenqualen und Verdammnis. Diese Ängste wurden erst künstlich herbeigeführt, da ohne sie niemals das Machtkonstrukt der Kirchen den Menschen hätte aufgedrückt werden können. Es ist nämlich dermaßen unlogisch und verdreht, dass jedes unbefangene Kind es entlarven kann. Erst wenn das Denken durch Angst verhindert wird, wenn das Fühlen durch Körper- und Naturfeindlichkeit beschnitten wird, wenn alles, was mächtig und gut war, als sündhaft und vernichtenswert erklärt wird, erst dann kann ein solches Konstrukt die Herrschaft (!) übernehmen. Diese Herrschaft führt zu Leid, Krieg und Zerstörung. (Historisch und in der aktuellen Politik ohne Mühe erkennbar.)

Im Konfirmandenunterricht mussten wir diese gemeinsame Beichte lernen und sprechen, die Worte sind mir nach 33 Jahren immer noch präsent, so hatten sie sich eingefressen, und ich habe es neulich am Mittagstisch, als das Gespräch auf Religion kam, hergesagt:

„Allmächtiger Gott, barmherziger Vater! Ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missetat, die ich begangen mit Gedanken, Worten und Werken, womit ich dich jemals erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe.
Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen, bittern Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesus Christus willen, du wollest mir armem, sündhaftem Menschen gnädig und barmherzig sein, mir alle meine Sünden vergeben und zu meiner Besserung deines Geistes Kraft verleihen.“

Meine Tochter, heute so alt wie ich damals, schaute fassungslos und sagte: „Ihr musstet sagen, dass ihr scheiße seid?“ Exakt. Darauf basieren diese Theologien. Bringt den Menschen bei, dass sie von Natur aus falsch sind und erlöst werden müssen, macht sie glauben, dass nicht erlöste Menschen ewige Qualen erleiden werden, definiert natürliche Bedürfnisse (Sexualität, Neugier, Genuss, …) als Sünde und lehrt sie, dass Denken und eigenes Empfinden verboten sind, dann habt ihr sie am Wickel.

Als Kinesiologin arbeite ich unter anderem mit der Entdeckung und Auflösung alter Muster und schädlicher Glaubenssätze. Dabei zeigt sich deutlich, dass unser komplettes System (Körper-Geist-Seele oder wie immer ihr es nennen wollt) durch diese teils seit Generationen im Unbewussten gelagerten Muster geschwächt wird. Bisher wird in der Kinesiologie meist das individuelle Muster bearbeitet. Diese kollektiven, seit der Erstarkung des Patriarchats in das menschliche Bewusstsein eingewobenen Muster liegen aber noch darunter, richten aus dem Verborgenen heraus Unheil an und führen dazu, dass Symptome wie Ängste, Zwänge, Schuldgefühle, Depressionen und ein Gefühl, irgendwie verkehrt zu sein, entstehen.

An Sexualität, Geburt, Menstruation pappt immer noch das in vielen Jahrhunderten der Gehirnwäsche verfestigte Etikett „UNREIN“. An Frauen immer noch das Etikett der Benutzbarkeit, des zur Verfügung Stehens, des Opferns. Hier muss ich mal den gefeierten Luther zitieren: 
„Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.”

Wie oft fühlen Frauen sich schuldig, ungenügend, verkehrt, weil irgendwo aus der Tiefe diese Gehirnwäsche wirkt. Es ist empörend, dass immer noch die Information darüber fehlt, dass es sich bei den aktuellen gesellschaftlichen Normen, auch bei den viel zitierten Werten des „Christlichen Abendlandes“, um Machtkonstrukte handelt, die gemessen an der Geschichte der Menschheit erst seit sehr kurzer Zeit existieren. Sie stellen keine Wahrheiten, Werte oder Normen dar, nach denen Menschen leben müssen.

Solange ich in der Samstagsausgabe der Lokalzeitung zwei Spalten Pastorinnenpredigt finde, in der „Wer nicht an Gott glaubt, bleibt auf seiner Schuld sitzen.“ den Kernpunkt bildet, solange die Kinder mit ihren Laternen fast anbetende Lieder auf Luther singen müssen (ich sage Müssen und meine, solange ihnen das als selbstverständlich, richtig, nicht zu hinterfragen und heilige Tradition eingeimpft wird), solange Integration als Verbrüderung (!) zwischen Christentum und Islam definiert wird, solange gibt es mehr Anregungen als wir brauchen, die zur Beschäftigung mit den Auswirkungen von Schuld, Sünde und Angst anregen. Über die Strukturen im Judentum, und wie sie heute noch das Leben der Menschen beeinflussen, informiert z.B. der Film Female Pleasure und das Buch (Un)orthodox von Deborah Feldmann. In Buddhismus und Hinduismus z.B. finden wir genau so massive patriarchale Strukturen, da hilft aller Trend nicht.

Das Schöne ist, sobald die Angst gebannt ist, können die Informationen frei aufgenommen werden und wir erkennen, dass das alte Wissen, das eigene (Bauch)gefühl und diese neuen Erkenntnisse sich zu einem logischen Ganzen zusammenfügen.

Nachsatz: Natürlich gibt es viele Menschen, die religiös und nette, gute, sogar tolerante Menschen sind. Allerdings sind sie das nicht, weil sie diesen oder jenen Glauben haben, dieser oder jener Kirche angehören, sondern trotzdem.

Fronten am Tisch

Text von Steffanie Müller

Kaffeetisch bei einer Familienfeier. Meine Tochter erzählt, dass eine ihrer Klassenkolleginnen ein Referat über die Unterschiede im Frauen- und Männerfußball gehalten hat und dass es ihnen allen aufgefallen sei, dass Fußballer in den tollsten Hotels untergebracht werden, die Frauen aber ganz billig unterkommen müssten.

Drei Generationen Männer am Tisch waren sich (obwohl zu Hälfte gar nicht an Fußball interessiert) sofort einig, dass die Frauen auch nicht gut spielen, niemand das sehen will, Männer nicht, weil Frauen spielen und Frauen nicht, weil die keinen Fußball sehen wollen, sich deshalb keine Reklame lohnt, dass es ihnen aber heute richtig gut geht, denn vor 30 Jahren wäre ja noch richtig böse kommentiert worden, und haha, sicher sei da auch das Patriarchat Schuld, denn eigentlich hätten bestimmt Frauen Fußball erfunden und die Männer ihnen den weggenommen, und überhaupt würden Frauen auch das viele Geld nehmen, wenn sie es für ihre Kegelei auf dem Platz bekämen. Mein Versuch zu objektivieren wird mit „Womansplaining!“ gedeckelt. Wir stecken noch so tief im Patriarchat. Wenn sie bei Fußball schon so abgehen, was passiert wohl, wenn Männer unter sich sind und es geht um die geforderte Abschaffung von Prostitiution, die Kritik an Pornos usw. usw.

So ein Kaffeetisch, so eine Familienfeier, egal wie groß oder klein, so eine patriarchatsgewachsene Kleinfamilie ist eben kein Schutzraum, kein geschützter Raum, kein Raum, sich ungehindert und frei zu dehnen, zu zeigen, zu wachsen, kein Raum, in dem die Dinge, an denen eine arbeitet, geschätzt und behütet werden. Männer sehen es offenbar als Zeichen sehr guten Willens und großer Langmut an, wenn sie uns eine Weile reden lassen, es wie gleichberechtigt aussehen lassen, aber es ist nur Fassade. Das Wort Frauenfußball reicht schon. Dabei hätte es eine interessante Diskussion geben können.

Das ist genau das, was Frauen seit einigen Jahrtausenden immer passiert, wenn es darum geht, weibliche Anteile an irgendwelchen Leistungen zu benennen. (Wo sind die Komponistinnen/Philosophinnen/Malerinnen/Spitzenköchinnen/Filmemacherinnen…..)

„Wenn Frauen es genauso gut könnten wie Männer, wäre sie auch in gleichen Positionen.
Dann bräuchte man auch keine Quote.
Das will niemand sehen.
Frauen interessieren sich halt nicht so dafür.“
Dass seit genau diesen Jahrtausenden Frauen über die verschiedenen Mechanismen des Patriarchats daran gehindert werden, diese und andere Leistungen auf ihre Weise, frei und freiwillig zu erbringen, wird negiert, bestritten und die Leistungen, die sichtbar werden, werden kritisiert anhand patriarchaler Maßstäbe und kleingeredet. Die Frauen selbst werden mit nicht werkbezogenen Adjektiven „kritisiert“ – ihr Aussehen, ihr Alter, ihr Stand, letzten Endes ihre Fuckability werden als Maßstab herangezogen.

Frauen wurden von der Bildung abgeschnitten. Ihre Körper wurden benutzt, bewertet und durch Kleidung und Sitte an der freien Entfaltung gehindert (wie heute z.B. durch Verschleierung etc immer noch). Durch das ständige Gebären und die Pflicht, die Kinder alleine zu ersorgen, wurde die Kraft für alles andere aufgezehrt (wer das nicht glaubt, kann es gerne mal selber versuchen, jedes Jahr ein Kind zu bekommen…). Universitäten, Schulen, Berufe waren einfach nicht zugänglich. Die Erbfolge war rein auf Männer ausgelegt.

Und als Frauen dann arbeiten „durften“, blieb die Hausarbeit und die Versorgung der Kinder trotzdem ihr Anteil. Dafür waren sie dann mit 35 – 40 Jahren „verhärmt“ (auch gerne benutzt, um eine Frau zu kritisieren) und konnten nach ihrem frühen Tod durch eine jüngere Version ersetzt werden.

Rechnen wir dazu, dass Jungen im Glauben an ihre gottgegebene (die Theologien taten und tun natürlich auch ihr Teil dazu) Überlegenheit, Mädchen in Bescheidenheit, als zum Dienen und Benutztwerden geboren, erzogen wurden und dass es Priveligierten immer wie ein Verlust erscheint, wenn anderen gleiche Rechte zugebilligt werden sollen, erklärt sich, wie sogar eine Bemerkung über Frauenfußball einen Ansatz bietet, die komplette Patriarchatsproblematik zu beleuchten.

Gleichzeitig bietet sie der Frau, die diese Gelegenheit wahrnimmt das ganze Spektrum der männlichen Wertungen ihrer Person und der Frauen allgemein (s.o.) und somit eine weiter Ent-täuschung auf dem Weg der Patriarchatskritik: Auch die Männer, mit denen wir uns sicher fühlen (wollen) tragen die Missachtung, diese grundlegende Missachtung, die sie stets abstreiten, in sich. Sonst würden sie zumindest vernünftig über diese Themen reden können anstatt in ihr Bullshit Bingo einzusteigen.