Blick in die Gärten

Im „Unkraut“ ist diese ganze patriarchale Überheblichkeit enthalten, die sich auch noch bei vielen angeblich „umweltfreundlichen“ Menschen findet. Diese Überheblichkeit, die meint, das RECHT zu haben, zu bestimmen, was wächst, was vernichtet wird, was lebt und was stirbt – kein Miteinander und in Verbundenheit Leben sondern das sich untertan Machen. „Argumente“ dazu fangen gerne an mit „Ja, aber“, gehen weiter mit „das geht doch nicht“ und werden gerne ausgelebt mit lauten, stinkenden Maschinen.

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Dabei wächst alles so wie es soll. 

lieben lenkt vom leben ab

Ausruf von Sabine Kapfer

„Ich kann dieses ganze patriarchale Getönse zum Thema Liebe nicht mehr hören. Tatsache ist, auf Erden ist leben möglich. Es ist dies der einzige Planet im Universum, der Menschenleben möglich macht. Für mich als Mutterland-Frau gilt es wieder zu lernen, wie leben auf Erden lebt, dazu brauche ich keine Liebe sondern Verbundenheit. Auch brauche ich unter anderem wieder das Wissen der Lebenskreisläufe. Dieses Wissen wirkt sich auf mein Tun und Nicht-Tun im Alltag aus. Mutter Erde lehrt mich zu leben und das ist der Sinn auf dem Lebensplanet Erde. Auf dass die Erde noch lange ein Ort zum Leben bleibt!“

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Sprache

Sprache, die ganz große Falle

Sprache wie wir sie kennen und benutzen, hat sich im Patriarchat gebildet und geformt. Daher sind die bequemen und gängigen Formulierungen meistens aufs Patriarchat bezogen und tragen die männliche Form. Deshalb zu sagen, es sei „unbequem“, nun auch die weibliche Form zu verwenden, ist kein Argument. Genauso wäre es dem Patriarchat genehmer gewesen ohne Frauenwahlrecht und mit Weiterbestehen der Straffreiheit von Vergewaltigung in der Ehe. Es gab nicht die Möglichkeit, über Jahrtausende praktische und prägnante speziell weibliche oder auch nur gleichrangige Begriffe zu etablieren. Und nun, im mittlerweile 21. Jahrhundert, wird sich immer noch echauffiert, wenn eine Frau (Marlies Krämer hatte geklagt) verlangt, von ihrer Bank als Kundin und nicht als Kunde angesprochen zu werden und gerichtlich festgelegt, vom Bundesgerichtshof, die Bank mit der Formulierung Kunde sei im Recht . Es ist unfassbar. An dieser Stelle kommt oft das Argument, man solle sich doch nicht mit solchen Kinkerlitzchen befassen es gäbe viel schlimmere Dinge auf der Welt. Erstens ist das sich Befassen mit diesen Missständen kein Indikator dafür, dass dies die einzigen Aufreger sind, mit denen eine sich befasst, und weiter folgen aus diesen kleinen Dingen auch die großen. Wenn ich Frauen mit den ewigen männlichen Formulierungen die Sichtbarkeit noch mehr und weiterhin nehme, werden alle Belange von Frauen unsichtbarer. Neulich bekam ich wieder eine Infomail einer Gleichstellungsbeauftragten, in der die Fußnote stand, dass aus Lesbarkeitsgründen die weibliche Form in der männlichen enthalten sei. Das zeigt, wie angepasst und absurd diese ganze Gleichstellungssache ist (unter „Videos“ erklärt Sabine Kapfer das auch sehr gut). Die Negierung der Frau und vor allem der Mütter zieht sich durch das komplette Sprachbild. Teilweise wird Weiblichkeit versächlicht, wie bei „das Mädchen“, teilweise als Schimpfwort benutzt (angefangen bei „Oma“ oder „Tante“ – s. dazu den Artikel „Hag and Crone“ in der Rubrik „Texte“) bis hin zu „Fotze“, „Pussy“ usw. Diese Dinge richtig zu stellen, kann auch bedeuten, der Grammatik nicht mehr die überragende Stellung einzuräumen, die sie bisher hatte, und einen Satz, der mit „Das Mädchen“ begann,  mit dem Pronomen „sie“ weiterzuführen. Und es erfordert die Konsequenz und (sehr geringe, ich übe das seit langem so und kann mich nicht über große Anstrengung oder vergeudete Lebenszeit beklagen) Mühe, die weibliche Form zu benutzen – entweder mit oder ohne Binnen-i. Auch ist es an der Zeit, verniedlichende Formulierungen wie „Beziehungstat“, „misslungener Flirt“, „Übergriff“,, „Missbrauch“ durch klarere Worte zu ersetzen, Worte wie „Mord“, „Körperverletzung“, „Folter“, „Grausamkeit“, „Verbrechen“. In der gesamten Biologie gibt es auch viel Verbesserungsbedarf, alleine was den Begriff „Samen“ angeht – Spermien sind keine Samen, eher eine Art Pollen. 

Regelungen, die der Verbesserung dienen sollen, sind leider oft einfaches Verschlimmbessern, wie z.B. in den Stellenanzeigen, wo immerhin in den letzten Jahren manchmal „ein/e Techniker/in“ gesucht wurde, ist es nun wieder ein „Techniker (m/w/d)“, wobei das Bild im Kopf, das sich beim Lesen einstellt, eindeutig männlich ist. 

(Text von Steffanie Müller)

 

Aprilgedanken

Ich laboriere immer noch am Nachspiel einer Grippe herum und bin sehr melancholisch und niedergeschlagen. In solchen Zeiten fällt einer auf, wie sehr die Muttersippe fehlt.

Menschliche Gemeinschaften, in denen ich mich wirklich PASSEND fühle, sind rar. Es fehlt die Muttersippe. Und zwischen uns und dem Leben im Matrifokal liegen über 6.000 Jahre. Jahre des Abgeschnittenseins, der Entwurzelung, der Gewalt, der Gehirnwäsche, der Vereinzelung. Wir müssten das Leben in der Muttersippe erst wieder lernen.

(Text von Steffanie Müller)

 

 

Übrigens

Das Patriarchat hat nicht nur für Ungleichberechtigung gesorgt. Es ist seit dem ersten Gedanken, Land, Tiere und Menschen besitzen, dominieren, sie sich untertan machen zu wollen, in alle Lebensbereiche hineingewachsen und hat neue Bereiche und Lebensweisen nach seinem Bilde geschaffen. Es ist kaum etwas in unserer Lebenswelt geblieben, das noch ist ist wie in der „Zeit vor der Beschneidung“ (Ute Schiran). In den Fällen, in denen die Symptome Theologien und politische Systeme sind, ist relativ leicht erkennbar, wie weit wir dort von der artgerechten Form des menschlichen Lebens entfernt sind. Wo Gewalt herrscht, kann das Patriarchat rasch entlarvt werden. Dass es aber Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Sprachen, Musik, Literatur und auch die gegenwärtige Film-, Fernseh- und Spielekultur durchzieht, ist ein Schritt bitterer Erkenntnis, der Entschlossenheit verlangt und Konsequenzen hat, die sich zum Glück (auch wenn es anstrengend ist) ebenfalls auf alle Lebensbereiche erstrecken.

Text von Steffanie Müller

Mutterbuchstabe M, Gebärhaltung (Arbeit von Sieglinde Maul)

 

 

 

« Weiss-Rot-Schwarz » Matrifokale Wurzeln im europäischen Märchen

Text von Susan-Barbara Elbe

Gesammelt, aufgeschrieben, an die jeweilige Epoche angepasst, ob von Perrault, den Gebrüdern Grimm oder Afanasjew, um nur diese zu nennen, kommen die Märchen aus einer langen Erzähltradition zu uns und zeugen somit von einem jahrtausendalten Leben im Wandel ! Es führt uns unter anderem in eine viel ältere Gesellschaftsform als die, die wir heute mit dem Patriarchat kennen. Eine Fülle von Hinweisen und Bildern begegnet uns. Sie rufen geradezu erkannt und gedeutet zu werden !

Gleichzeitig ist es kein Leichtes in eine „Rück-Führung“ zu gehen ohne von den uns heute so beliebten Projektionen Gebrauch zu machen indem wir in die Psycho-Schublade greifen! Dieses ist hier nicht mein Anliegen; ist es doch zusätzlich konditioniert von patriarchaler Denke und als solches unbrauchbar; außer wenn es um’s Aufdecken der krankhaften Verdrehungen geht.

Eine Märchenerzählerin hat mir vor über zwanzig Jahren den roten Wollknäuel zugeworfen! Als ich anfing diesen ein wenig aufzurollen, entdeckte ich zu meiner Verwunderung und größtem Erstaunen, dass ich ein Geschichtsbuch vor Augen hatte ! Das ist es auch was mich heute nach wie vor fasziniert und beschäftigt und vielleicht kann ich den roten Faden an Euch LeserInnen weiterreichen … « Weiss wie Schnee, Rot wie Blut, Schwarz wie Ebenholz» diese drei Mutterfarben… uns allen doch so bekannt, so vertraut !

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Spirale in den Mutterfarben von Siglinde Maul

« Es War Einmal »

In allen Märchen, in denen die geschwisterliche Liebe stärker und wichtiger ist als der zukünftige Bräutigam oder sogar das eigene Leben, wie wir es z.B. in „Brüderchen und Schwesterchen“ oder « Die Sieben Raben » lesen können, haben wir es ganz eindeutig mit der Erinnerung an eine matrifokale Sozialordnung zu tun. Nur die Blutsverwandtschaft, die mütterliche Gruppe, bedeutete Verbundenheit, Geborgenheit, Sicherheit und Stabilität.

Und warum ist dann die Stiefmutter immer böse?

Als Nachfolgerin einer verstorbenen Ehefrau, (mittlerweile sind wir schon im richtigen Patriarchat und der Mann-Frau-Ehe angekommen) musste sie ab jetzt dem neuen Mann und dessen Kindern dienen. Dieses zu bewerkstelligen und dabei die eigenen, im Märchen immer Töchter, durchzubringen, hat wohl zu ihrer Verunglimpfung geführt, waren sie doch gezwungen mitunter zu unlauteren Mitteln zu greifen um ihre Nachfolge zu sichern. Hier ist bestens zu erkennen, wie unsägliches Leiden unter Männerherrschaft entstehen musste !

In der Darstellung und der Beschreibung alter Hexen, immer böse und hässlich mit einer Warze auf der Hakennase, erkenne ich ein Relikt aus der Steinzeit, die des Geiervogels und/oder der Eulenmutter ; der Schnabel wird zur Nase und aus den Atemlöchern eine oder zwei Warzen. Vögel der Nacht, Vögel als Metapher vom « Leben in Tod in Leben WandlerInnen ».

An den Frosch und/oder die Kröte muss ich denken, welche laut Marijam Gimbutas ein Fruchtbarkeitssymbol unserer AhnInnen war ; eine uralte Vorstellung von Selbstbefruchtung. Im „Dornröschen“ erfährt die Königin im Teich badend vom Frosch, dass sie innerhalb eines Jahres ein Kind zur Welt bringen wird ; ein Mädchen !

Tiere haben im Märchen eine überaus wichtige Rolle inne. Die Erzählung vom Natternkrönlein ist ein gutes Beispiel. Auch wenn es mir hier nicht um das Thema der Tiere im Märchen geht, zeigt uns doch diese Überlieferung in aller Klarheit wie fruchtbar ihre Präsenz bei den Menschen war und welch Unglück über diese schliesslich hereinbrach, als sie die Natter töteten. Symbolisierte doch besonders die Schlange zu Zeiten der Häutung Erneuerung und erinnerte gleichzeitig an die Nabelschnur durch die das Leben von der Mutter zum Kind pulsiert.

Nun haben all diese Tiere im ursprünglichen Sinne aber Eines gemeinsam; mit ihnen wurde gelebt, ihre Besonderheiten konnten beobachtet werden, von und mit ihnen wurde gelernt und der Rhythmus des Lebendigen wahrgenommen. Sie waren keine Projektionsflächen menschlicher Besonderheiten und Moralvorstellungen wie wir sie aus den Tierfabeln Äsop’s oder später von La Fontaine kennen.

Es ist mir immer wieder ein Anliegen aufzuzeigen, dass es da im Märchen diese wundersamen Überreste gibt die es zu enträtseln, zu erkennen gilt. Spuren aus einer Zeit als das Leben noch um die mütterliche Weisheit organisiert war.

Da wäre das Rumpelstilzchen mit seinem geklauten Hebammenspruch. Welch magische Beschwörungsformel : « Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol‘ ich der Königin ihr Kind »! Für die zukünftige Mutter wurde mit Brot und stärkendem Bier gesorgt bevor das Kind geboren und manchmal auch mit Hilfe der Heb-Amme geholt wurde !

Bei der Rotkäppchen-Version von Perrault, (er lebte und schrieb zeitlich vor den Gebrüdern Grimm) welcher am französischen Königshof mit seinen Erzählungen für moralisches Verhalten sorgen wollte, frisst der Wolf das Rotkäppchen … aus basta! Vom Weg abkommen war den Frauen, jung oder alt, nunmal nicht erlaubt. Die Grimmschen Brüder, in der Zeit der deutschen Romantik, haben den Jäger als Retter eingeführt. Er begegnet uns in vielen Erzählungen und Dichtungen und ist der grüne Superheld dieser Zeit! Für mich aber ist und bleibt dieses Märchen schlicht und einfach die Erzählung von einem Mädchen welche auf dem Weg zu ihrem Frausein ist ! Eingebunden in die mütterliche Linie führen ihre ersten Schritte aus der Geborgenheit in die Wildnis und wieder hinaus in den Bereich der Weisen Alten, nämlich zur Großmutter!

Leider ist fast alles, so auch im Märchen, dem patriarchalen Lebens-Modell zum Opfer gefallen. Gold als Sonnensymbol übertrumpft nun das Silber des Mondes ; sehr treffend ist dies im Dornröschen zu erkennen, wenn für zwölf Feen ein goldenes Gedeck vorhanden ist und die dreizehnte Fee, die Lunare, zusehen muss wo sie bleibt, weil die alten Silberteller entsorgt wurden! Das Zeugnis eines alten Streites über Kalenderhoheit?

Auch das schwarze Pech bringt nur mehr Unglück, Pech eben. Dabei war die Pech-Gewinnung eine große Errungenschaft unserer AhnInnen der Steinzeit um ihre Boote zu kalfatern, zu pechen.

« Tag und Nacht », « Oben und Unten » wurden auf einmal verdammt, sich in einer „Gut und Böse“ Polarität aufzuhalten, obwohl das eigentliche Paradies im Märchen nicht im Himmel sondern in der unteren Welt, den Höhlen, zu finden ist, im Ur-Grund des mütterlichen Geborgen-seins … die Holler-Mutter lässt grüssen.

Trotz alledem blinzelt uns noch in vielen Märchen und Mythen die alte Mutterweisheit und kraftvoller Mutterwitz zu, begegnet uns mütterlicher Mut, Schutz und überlebenswichtige Intuition! Gänsemagd und Aschenputtel, die drei Spinnerinnen oder die kluge Bauerntochter, alle lassen uns ahnen, dass es eine heilige Zeit gab, in der die Mutter noch als Zentrum für Leben galt !

 

Zustände

Eines der Grundprobleme liegt darin, dass Definitionen des Patriarchats benutzt werden, um auf Kritik zu antworten. Neulich sagte mir jemand im Fall Sigi Maurer* „bleib doch mal bei der Rechtssystematik“, nein, denn da sitzt doch der fette Fehler. Ich kann einen fatalen Fehler im System nicht mit den Regeln des Systems beheben. Dann habe ich nämlich einen verwackelten Ansatz.

Und das ist der Punkt, an dem viele hängenbleiben, weil natürlich je nach Lebenskontext nicht bei allen die Erkenntnis über die Zusammenhänge diese kolossale Erleichterung auslöst, sondern durch das Zusammenbrechen des ganzen mühsam aufrechterhaltenen in die patriarchale Form gepressten Lebensentwurfs als sehr schmerzhaft und als „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ empfunden wird. Obwohl eine fühlt, es ist falsch, versucht sie ja oft, sich anzupassen, hineinzupassen – und wenn das dann „gelungen“ ist, kommen wir daher und sagen, die Regeln, nach denen sie so mühevoll lebt, gelten gar nicht und sind grundverkehrt oder (meist bei Männern) wir wackeln an den Privilegien.

Denn dem Deckmantel des tollen hiesigen / westlichen Frauenbildes trauen sich gerade auch die Kirchen und auch die Rechten wieder viel mehr. Die einen, mit dem „Schutz der deutschen Frauen“ (nur solange, bis sie sie selber benutzen wollen und in ihre Rolle pressen), die anderen glaube ich in einer Art theologischem Schulterschluß – dass in den USA nach heiligem Krieg gerufen wird (Matt Shea), dass der Papst sich so klar positioniert mit der Gleichsetzung von Abtreibung und Auftragsmorden – sie wollen gerne auch rückwärtsgewandt wieder erstarken. Deshalb müssen wir extrem aufmerksam und klar sein und uns nicht durch Nebengleise wie Rassismus (wenn ich mich gegen ein theologisch/gesellschaftlich/patriarchales System wende, bin ich logischerweise nicht rassistisch, das ist nämlich keine „Rasse“ sondern ein System, das es zu korrigieren gilt) oder „Seid doch froh, wie gut ihr es hier habt“, das uns in unserem eigenen Umfeld leise, klein und unkritisch (und auch noch dankbar!) machen soll.

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Spirale von Sieglinde Maul – Unser Leben verläuft nicht so linear, wie wir denken, sondern wir machen unsere Erfahrungen spiralförmig. So begegnen wir Themen und Problemen (wie den Zuständen hier) immer wieder, auf einer anderen Ebene der Spirale. 

*) Sigi Maurer: Verurteilung wegen übler Nachrede, weil sie obszöne, beleidigende Nachrichten auf Facebook publik machte. Nach österreichischem Recht gab es keine Möglichkeit, dies anzuzeigen.

Text von Steffanie Müller