Den Mund aufmachen.

Text von Rona Duwe

Was passiert, wenn eine Frau wie ich den Mund aufmacht und in scharfer und direkter Form strukturelle Probleme, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten des Patriarchats benennt? Es wird versucht, sie ruhigzustellen. Wie? Indem sie persönlich angegriffen wird und indem das, was sie benennt, als persönliches Problem hingestellt wird. Wie zum Beispiel?

„Dein Hass auf Väter/Männer ist ja furchtbar. Du musst schlimmes erlebt haben.“
„Was ist Ihnen geschehen, dass Sie so schreiben?“
„Du musst nur mal richtig gefickt werden.“
„Ihre armen Kinder!“
„Ich wünsche Ihnen von Herzen Seelenruhe und Liebe. Das scheint Ihnen zu fehlen.“
„Es tut mir leid, dass Sie so wütend sind.“

Tatsächlich sind strukturelle Probleme im Patriarchat sehr persönliche Probleme. Besonders für Mädchen, Frauen und Mütter. Sie bekommen diese so gut wie tagtäglich am eigenen Leib zu spüren. JEDE Frau erlebt Übergriffe. Frauen werden aber gleichzeitig so erzogen, dass sie sich schämen für diese Erfahrungen und sie oft mit sich allein ausmachen. Dadurch entsteht das Gefühl, es sei nur ein persönliches, selbstverschuldetes Problem. Erst seit #metoo ändert sich das.

Das Silencing und Derailing über „Es ist nur Dein persönliches Psycho-Problem, Darling“ folgt genau dieser Schiene, Frauen über ihre Scham anzugreifen. Es klingt erst nett, ist aber nicht nett und schon gar nicht klug. Es zeigt die Ignoranz gegenüber strukturellen und flächendeckenden Problemen. Und es löst kein einziges dieser Probleme. Es zielt darauf, alles so zu halten, wie es ist.

#patriarchatskritik

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