Zustände

Eines der Grundprobleme liegt darin, dass Definitionen des Patriarchats benutzt werden, um auf Kritik zu antworten. Neulich sagte mir jemand im Fall Sigi Maurer* „bleib doch mal bei der Rechtssystematik“, nein, denn da sitzt doch der fette Fehler. Ich kann einen fatalen Fehler im System nicht mit den Regeln des Systems beheben. Dann habe ich nämlich einen verwackelten Ansatz.

Und das ist der Punkt, an dem viele hängenbleiben, weil natürlich je nach Lebenskontext nicht bei allen die Erkenntnis über die Zusammenhänge diese kolossale Erleichterung auslöst, sondern durch das Zusammenbrechen des ganzen mühsam aufrechterhaltenen in die patriarchale Form gepressten Lebensentwurfs als sehr schmerzhaft und als „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ empfunden wird. Obwohl eine fühlt, es ist falsch, versucht sie ja oft, sich anzupassen, hineinzupassen – und wenn das dann „gelungen“ ist, kommen wir daher und sagen, die Regeln, nach denen sie so mühevoll lebt, gelten gar nicht und sind grundverkehrt oder (meist bei Männern) wir wackeln an den Privilegien.

Denn dem Deckmantel des tollen hiesigen / westlichen Frauenbildes trauen sich gerade auch die Kirchen und auch die Rechten wieder viel mehr. Die einen, mit dem „Schutz der deutschen Frauen“ (nur solange, bis sie sie selber benutzen wollen und in ihre Rolle pressen), die anderen glaube ich in einer Art theologischem Schulterschluß – dass in den USA nach heiligem Krieg gerufen wird (Matt Shea), dass der Papst sich so klar positioniert mit der Gleichsetzung von Abtreibung und Auftragsmorden – sie wollen gerne auch rückwärtsgewandt wieder erstarken. Deshalb müssen wir extrem aufmerksam und klar sein und uns nicht durch Nebengleise wie Rassismus (wenn ich mich gegen ein theologisch/gesellschaftlich/patriarchales System wende, bin ich logischerweise nicht rassistisch, das ist nämlich keine „Rasse“ sondern ein System, das es zu korrigieren gilt) oder „Seid doch froh, wie gut ihr es hier habt“, das uns in unserem eigenen Umfeld leise, klein und unkritisch (und auch noch dankbar!) machen soll.

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Spirale von Sieglinde Maul – Unser Leben verläuft nicht so linear, wie wir denken, sondern wir machen unsere Erfahrungen spiralförmig. So begegnen wir Themen und Problemen (wie den Zuständen hier) immer wieder, auf einer anderen Ebene der Spirale. 

*) Sigi Maurer: Verurteilung wegen übler Nachrede, weil sie obszöne, beleidigende Nachrichten auf Facebook publik machte. Nach österreichischem Recht gab es keine Möglichkeit, dies anzuzeigen.

Text von Steffanie Müller

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